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<title>Colloque Walter Lippmann</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Colloque Walter Lippmann</span></h1>
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</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Das <b>Colloque Walter Lippmann</b> (<a href="Franz%C3%B6sische_Sprache" title="Französische Sprache">frz.</a> für <a href="Kolloquium" title="Kolloquium">Kolloquium</a>, Gespräch) war ein Treffen von <a href="Intellektueller" title="Intellektueller">Intellektuellen</a> und Akademikern, das vom 26. bis 30. August 1938 in <a href="Paris" title="Paris">Paris</a> stattfand. Namensgebend war der US-amerikanische Publizist <a href="Walter_Lippmann" title="Walter Lippmann">Walter Lippmann</a> (1889–1974), der mit seinem kurz zuvor erschienenen Werk <i><a href="Gute_Gesellschaft#Wertbasierte_Ansätze" title="Gute Gesellschaft">The Good Society</a></i> als Stichwortgeber der Diskussion diente. Lippmann befand sich auf Europareise und war auf Einladung des französischen Philosophen <a href="Louis_Rougier" title="Louis Rougier">Louis Rougier</a> bei dem Zusammentreffen im <a href="Internationales_Institut_f%C3%BCr_geistige_Zusammenarbeit" title="Internationales Institut für geistige Zusammenarbeit">Institut International de Coopération Intellectuelle</a> in der Rue Montpensier im <a href="1._Arrondissement_(Paris)" title="1. Arrondissement (Paris)">1. Arrondissement</a>.
</p><p>Neben Lippmann und Rougier waren zahlreiche Vertreter <a href="Liberalismus" title="Liberalismus">liberaler</a> Strömungen aus Europa und den USA anwesend, die sich angesichts wirtschaftlicher und politischer Krisen in der Zwischenkriegszeit um den Zustand und den Fortbestand des Liberalismus als Leitidee und gesellschaftliches System sorgten. Gemeinsam rangen die Anwesenden um Antworten auf Fragen wie <a href="Arbeitslosigkeit" title="Arbeitslosigkeit">Arbeitslosigkeit</a>, den Aufstieg <a href="Totalitarismus" title="Totalitarismus">totalitärer</a> Systeme (etwa in <a href="Deutsches_Reich_1933%E2%80%931945" class="mw-redirect" title="Deutsches Reich 1933–1945">Deutschland</a> oder der <a href="Sowjetunion" title="Sowjetunion">Sowjetunion</a>) und die angemessene Rolle sowie die Möglichkeiten des Staates und der Märkte in der Gestaltung des öffentlichen Lebens.
</p><p>Dabei waren sich die Teilnehmer des Treffens in vielen Punkten uneins, nicht zuletzt in der Bezeichnung, die ihr erneuertes liberales Programm tragen sollte. Als Kompromiss wurde schließlich die Bezeichnung <a href="Neoliberalismus" title="Neoliberalismus">Neoliberalismus</a> gewählt, womit die Aufzeichnungen aus dem Colloque Walter Lippmann eine der frühesten Verwendungen dieses Begriffs dokumentieren. Der Wirtschaftswissenschaftler Röpke bezeichnete die Festlegung auf den Neoliberalismus-Begriff als „das am wenigsten glückliche Ergebnis der Konferenz“.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>15 Teilnehmer des Kolloquiums gründeten 1947 mit anderen die <a href="Mont_P%C3%A8lerin_Society" class="mw-redirect" title="Mont Pèlerin Society">Mont Pèlerin Society</a> (MPS), um zukünftige Generationen von wirtschaftsliberalen Ideen zu überzeugen. Die MPS fungiert heute als zentraler Knotenpunkt neoliberaler Netzwerke.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<p>Auf dem Colloque wurden die Thesen des amerikanischen Publizisten Walter Lippmann über den Niedergang des Liberalismus und die Chancen einer erneuerten liberalen Ordnung, die sich vom <a href="Laissez-faire" title="Laissez-faire">Laissez-faire</a>-Liberalismus unterscheiden sollte, diskutiert. Dieser hatte in seinem 1937 erschienenen Buch „The Good Society“ scharfe Kritik an <a href="Sozialismus" title="Sozialismus">Sozialismus</a>, <a href="Nationalsozialismus" title="Nationalsozialismus">Nationalsozialismus</a> und <a href="Faschismus" title="Faschismus">Faschismus</a> als „<a href="Kollektivismus" title="Kollektivismus">kollektivistischen</a>“ <a href="Ideologie" title="Ideologie">Ideologien</a> geübt. Den als <a href="New_Deal" title="New Deal">New Deal</a> bezeichneten Wirtschafts- und Sozialreformen in den <a href="Vereinigte_Staaten_von_Amerika" class="mw-redirect" title="Vereinigte Staaten von Amerika">Vereinigten Staaten</a> stand er ambivalent gegenüber. Die Zusammenkunft sollte in Abgrenzung zum <a href="Manchester-Liberalismus" class="mw-redirect" title="Manchester-Liberalismus">Manchester-Liberalismus</a> des 19. Jahrhunderts liberalem Gedankengut neue Geltung verschaffen. Rougiers Einladung folgten neben Lippmann 24 weitere Denker, <a href="Wirtschaftswissenschaft" title="Wirtschaftswissenschaft">Wirtschaftswissenschaftler</a> und <a href="Industrieller" title="Industrieller">Industrielle</a>.<sup id="cite_ref-Mirowski_2-0" class="reference"><a href="#cite_note-Mirowski-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Das ausschließliche „<a href="Laissez-faire" title="Laissez-faire">Laissez-faire</a>“ des Manchester-Kapitalismus wurde in diesen Gesprächen als eine der Ursachen der bestehenden <a href="Wirtschaftskrise" title="Wirtschaftskrise">Wirtschaftskrise</a> gesehen, so dass für die neuen Inhalte auch ein neuer Name stehen sollte. Dabei setzte sich <a href="Alexander_R%C3%BCstow" title="Alexander Rüstow">Alexander Rüstows</a> Begriffsschöpfung des <i>Neoliberalismus</i> gegen Alternativen wie <i>Neo-Kapitalismus</i>, <i>sozialer Liberalismus</i> oder sogar <i>libéralisme de gauche (<a href="Franz%C3%B6sische_Sprache" title="Französische Sprache">franz.</a> Linker Liberalismus)</i> durch.<sup id="cite_ref-Mirowski_2-1" class="reference"><a href="#cite_note-Mirowski-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Allerdings haben nicht alle den Begriff Neoliberalismus selbst übernommen, <a href="Wilhelm_R%C3%B6pke_(Wirtschaftswissenschaftler)" title="Wilhelm Röpke (Wirtschaftswissenschaftler)">Wilhelm Röpke</a> bezeichnete die Festlegung auf den Neoliberalismus-Begriff als „das am wenigsten glückliche Ergebnis der Konferenz“, <a href="Walter_Eucken" title="Walter Eucken">Walter Eucken</a> lehnte ihn grundsätzlich ab.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Beim Colloque Walter Lippmann zeigte sich (nach der vielfach rezipierten Forschung von Katrin Meier-Rust) bereits die Unvereinbarkeit der „Altliberalen“ <a href="Ludwig_von_Mises" title="Ludwig von Mises">Ludwig von Mises</a> und <a href="Friedrich_August_von_Hayek" title="Friedrich August von Hayek">Friedrich August von Hayek</a> mit „den Neoliberalen“ <a href="Walter_Eucken" title="Walter Eucken">Walter Eucken</a>, <a href="Wilhelm_R%C3%B6pke_(Wirtschaftswissenschaftler)" title="Wilhelm Röpke (Wirtschaftswissenschaftler)">Wilhelm Röpke</a> und <a href="Alexander_R%C3%BCstow" title="Alexander Rüstow">Alexander Rüstow</a> in unmissverständlicher Klarheit. Rüstow bedauerte im Nachhinein, „daß durch die kompromißliche Schlußresolution der Schein der Einheit mühsam aufrechterhalten wurde, wo in Wirklichkeit der schärfste und fruchtbarste subkonträre Gegensatz vorlag“.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Wilhelm Röpke und Alexander Rüstow bezeichneten die Konzeptionen der Mitteilnehmer des Colloque Walter Lippmann von Mises und von Hayek als <i>Alt- bzw. Paläoliberalismus</i>, um diese vom Neoliberalismus (in ihrem Sinne) abzugrenzen.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Teilnehmer">Teilnehmer</h2></div>
<ul><li>aus Frankreich: <a href="Raymond_Aron" title="Raymond Aron">Raymond Aron</a>, <a href="Roger_Auboin" title="Roger Auboin">Roger Auboin</a>, <a href="Louis_Baudin" title="Louis Baudin">Louis Baudin</a>, Marcel Bourgeois, Auguste Detœuf, Bernard Lavergne, Étienne Mantoux, <a href="Robert_Marjolin" title="Robert Marjolin">Robert Marjolin</a>, <a href="Louis_Marlio" title="Louis Marlio">Louis Marlio</a>, <a href="Ernest_Mercier" title="Ernest Mercier">Ernest Mercier</a>, André Piatier, <a href="Jacques_Rueff" title="Jacques Rueff">Jacques Rueff</a> und <a href="Louis_Rougier" title="Louis Rougier">Louis Rougier</a></li>
<li>aus Österreich: <a href="Friedrich_August_von_Hayek" title="Friedrich August von Hayek">Friedrich August von Hayek</a>, <a href="Ludwig_von_Mises" title="Ludwig von Mises">Ludwig von Mises</a>, <a href="Stefan_Thomas_Possony" title="Stefan Thomas Possony">Stefan Thomas Possony</a> und <a href="Alfred_Sch%C3%BCtz" title="Alfred Schütz">Alfred Schütz</a></li>
<li>aus dem angelsächsischen Raum: John Bell Condliffe, <a href="Michael_Polanyi" title="Michael Polanyi">Michael Polanyi</a>, <a href="Walter_Lippmann" title="Walter Lippmann">Walter Lippmann</a> und <a href="Bruce_Hopper" class="mw-redirect" title="Bruce Hopper">Bruce Hopper</a></li>
<li>aus Deutschland resp. der Türkei: <a href="Alexander_R%C3%BCstow" title="Alexander Rüstow">Alexander Rüstow</a> und <a href="Wilhelm_R%C3%B6pke_(Wirtschaftswissenschaftler)" title="Wilhelm Röpke (Wirtschaftswissenschaftler)">Wilhelm Röpke</a> (beide ab 1933 im türkischen Exil)</li>
<li>aus Belgien: Marcel van Zeeland</li>
<li>aus Polen: Michael Heilperin</li>
<li>aus Spanien: Jose Castillejo</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Wilhelm Röpke: <i>Alexander Rüstow zum 8. April 1955</i>. In: <a href="Gottfried_Eisermann" title="Gottfried Eisermann">Gottfried Eisermann</a> (Hrsg.): <i>Wirtschaft und Kultursystem</i>. Rentsch, Erlenbach-Zürich 1955, S. 12–22, hier S. 20.</span>
</li>
<li id="cite_note-Mirowski-2"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Mirowski_2-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Mirowski_2-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text"><a href="Philip_Mirowski" title="Philip Mirowski">Philip Mirowski</a>, Dieter Plehwe (Hrsg.): <i>The Road From Mont Pelerin. The making of the neoliberal thought collective</i>. University Press, Cambridge, Mass. 2009, ISBN 978-0-674-03318-4, S. 13.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Andreas Renner: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.tristan-abromeit.de/pdf/28.1%20MdB%20Gruene%201.5.03%20Anhang%20I.pdf"><i>Die zwei Neoliberalismen</i></a>. In: <i>Fragen der Freiheit</i>. Heft 256, S. 3, Okt./Dez. 2000, <span class="-print"><a href="Internationale_Standardnummer_f%C3%BCr_fortlaufende_Sammelwerke" title="Internationale Standardnummer für fortlaufende Sammelwerke">ISSN</a> <span style="white-space:nowrap"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://zdb-katalog.de/list.xhtml?t=iss%3D%220015-928X%22&key=cql">0015-928X</a></span></span> (PDF; 335 kB)</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Katrin Meier-Rust: <i>Alexander Rüstow. Geschichtsdeutung und liberales Engagement</i> (Sprache und Geschichte; Bd. 20). Klett-Cotta, Stuttgart 1993, ISBN 978-3-608-91627-0, S. 69 (zugl. Dissertation, Universität Zürich 1988).</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Andreas Renner: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.tristan-abromeit.de/pdf/28.1%20MdB%20Gruene%201.5.03%20Anhang%20I.pdf"><i>Die zwei Neoliberalismen</i></a>. In: <i>Fragen der Freiheit</i>, Heft 256, S. 6, Okt./Dez. 2000 (PDF; 335 kB)</span>
</li>
</ol>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Reinhoudt, Jurgen & Audier, Serge (Hrsg.): <i>Neoliberalismus – Wie alles anfing: das Walter Lippmann Colloquium</i>, Kursbuch-Verlag, Hamburg 2019, ISBN 978-3-96196-082-8.</li>
<li>Milène Wegmann: <i>Früher Neoliberalismus und europäische Integration. Interdependenz der nationalen, supranationalen und internationalen Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft (1932–1965)</i>. Nomos VG, Baden-Baden 2002, ISBN 3-7890-7829-8 (zugl. Dissertation, Universität Bern 2001).</li>
<li>Philip Plickert: <i>Wandlungen des Neoliberalismus. Eine Studie zu Entwicklung und Ausstrahlung der Mont Pèlerin Society</i> (Marktwirtschaftliche Reformpolitik/N.F.; Bd. 8). Lucius & Lucius, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8282-0441-6 (zugl. Dissertation, Universität Tübingen 2008).</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li>Wolfgang Köhler: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.zeit.de/2008/33/A-Neoliberalismus?page=all"><i>Zeitgeschichte – Die Mission des Liberalismus</i></a>, ZEIT Online vom 7. August 2008</li>
<li>Romanus Otte: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.welt.de/welt_print/article2342273/Herzlichen-Glueckwunsch-Neoliberalismus.html"><i>Herzlichen Glückwunsch - Neoliberalismus!</i></a>, <a href="Die_Welt" title="Die Welt">Die Welt</a> vom 23. August 2008</li></ul></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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